Marktupdate-Serie Glasgewebe, Kupferfolie, KI-Nachfrage: die aktuelle Lage bei den Vormaterialien. Neuester Beitrag →
Veröffentlicht — 3. November 2026 Marktupdate-Serie

Dual Sourcing allein reicht nicht: Warum Vormaterialien mitgedacht werden müssen

Zwei Leiterplattenlieferanten können die Versorgung flexibler machen. Sie schaffen jedoch nicht automatisch zwei unabhängige Materialketten. Wenn beide dasselbe Laminat beziehen oder auf eine gemeinsame Quelle für ein kritisches Vorprodukt angewiesen sind, bleibt ein Teil des Risikos bestehen. Eine belastbare Dual-Sourcing-Strategie sollte deshalb prüfen, welche Abhängigkeiten durch die zweite Quelle tatsächlich reduziert werden.

Unabhängigkeit muss zur betrachteten Störung passen

Ein zweiter PCB-Hersteller kann hilfreich sein, wenn beim ersten ein Fertigungsproblem entsteht oder kurzfristig zusätzliche Kapazität benötigt wird. Gegen einen Engpass beim gemeinsam verwendeten Basismaterial wirkt diese Lösung dagegen möglicherweise nur begrenzt. Welche Verbesserung erreicht wird, hängt davon ab, an welcher Stelle eine Störung auftritt und wie die Lieferketten verbunden sind.

Es gibt deshalb keine allgemeingültige Zahl von Lieferanten, die jedes Projekt ausreichend absichert. Sinnvoller ist eine Betrachtung konkreter Risiken. Soll ein einzelnes Werk ersetzt werden können? Geht es um zusätzliche Serienmengen oder um die Verfügbarkeit eines Spezialmaterials? Aus diesen Fragen ergibt sich, auf welcher Ebene eine zusätzliche Quelle benötigt und technisch bewertet werden sollte.

Die wichtigsten Materialabhängigkeiten sichtbar machen

Für einen freigegebenen Aufbau sollte zunächst bekannt sein, welche Laminate, Prepregs und besonderen Kupferfolien eingesetzt werden. Anschließend lässt sich prüfen, ob alternative Leiterplattenhersteller dieselben Produkte oder tatsächlich andere geeignete Bezugswege verwenden. Nicht jede vorgelagerte Information ist offen zugänglich. Dann sollte zumindest festgehalten werden, welche Unabhängigkeit bestätigt ist und welche ungeklärt bleibt.

Die Lexington-HVLP4-Unterlagen vom September 2026 weisen zusätzlich auf mögliche parallele Engpässe bei Spezialglasgewebe hin. Das verdeutlicht die Verbindung der Materialien: Eine zweite Kupferfolienquelle kann wenig bewirken, wenn beide Materialkombinationen dasselbe knappe Gewebe benötigen. Die Auswahl einer Alternative sollte deshalb den gesamten benötigten Verbund berücksichtigen, soweit seine Abhängigkeiten nachvollziehbar sind.

Verfügbar und freigegeben sind unterschiedliche Zustände

Ein Lieferant kann eine Alternative anbieten, ohne dass diese bereits für das konkrete Produkt eingesetzt werden darf. Entscheidend sind die relevanten elektrischen, thermischen und mechanischen Eigenschaften sowie die Verarbeitung im vorgesehenen Aufbau. Welche Nachweise nötig sind, richtet sich nach den Projektanforderungen. Eine ähnliche Produktbeschreibung ersetzt diese Prüfung nicht.

Zusätzlich muss der alternative Fertigungsweg praktisch funktionieren. Stimmen die erforderlichen Formate, Mengen und Termine? Ist das Material für Muster vorhanden oder auch für den erwarteten Serienbedarf? Welche Änderungen gegenüber dem bisherigen Aufbau entstehen? Erst wenn diese Fragen ausreichend geklärt sind, lässt sich beurteilen, welchen Beitrag die zweite Quelle zur Versorgung leisten kann.

Parallel qualifizieren kann Zeit sparen

Die Lexington-Marktanalyse empfiehlt, eine zweite Quelle frühzeitig und möglichst parallel zu qualifizieren. Der Gedanke ist nachvollziehbar: Beginnt die Prüfung erst nach einem Ausfall der ersten Quelle, wird der gesamte noch offene Bewertungsaufwand Teil der Wiederanlaufzeit. Eine bereits bewertete Alternative bietet dagegen eine bessere Ausgangslage für eine Umstellung.

Parallel bedeutet allerdings nicht, dass jede denkbare Option vollständig geprüft werden muss. Aufwand und Nutzen sollten zum Projekt passen. Besonders kritisch können Materialien sein, die schwer ersetzbar sind und mehrere wichtige Produkte betreffen. Für weniger empfindliche Aufbauten kann ein anderer Umfang angemessen sein. Sinnvoll ist eine begründete Auswahl statt einer langen Liste theoretischer Ersatzmöglichkeiten.

Den Wechsel praktisch vorbereiten

Zu einer nutzbaren Alternative gehört ein klarer Ablauf. Wer entscheidet über den Wechsel? Welche Unterlagen und Freigaben müssen vorliegen? Welche Menge könnte die zweite Quelle innerhalb welchen Zeitraums liefern? Auch Verpackung, Transport und die Übergabe an nachfolgende Fertigungsschritte sollten berücksichtigt werden. Eine technische Freigabe allein reserviert noch keine Produktionskapazität.

Ein gedanklicher Probelauf kann verbleibende Lücken zeigen. Angenommen, der bisherige Materialweg fällt für mehrere Wochen aus: Welche Bestände wären verfügbar, welche offenen Aufträge betroffen und welche alternative Menge realistisch? Dabei werden Voraussetzungen sichtbar, die im normalen Betrieb wenig auffallen. Der Probelauf sollte mit konkreten Projektdaten erfolgen und nicht mit pauschalen Zusagen für eine gesamte Produktfamilie.

Alternativen aktuell halten

Eine einmal freigegebene Quelle sollte bei relevanten Änderungen erneut betrachtet werden. Materialrevisionen, veränderte Fertigungsorte oder ein deutlich anderer Mengenbedarf können ihre Nutzbarkeit beeinflussen. Deshalb gehört zur Strategie auch die Pflege der zugrunde liegenden Informationen. Eine veraltete Freigabe oder ein nicht mehr verfügbarer Aufbau kann im Bedarfsfall nur eingeschränkt helfen.

Besprechen Sie mit Lexington®, welche Risiken eine zusätzliche Quelle in Ihrem Projekt abdecken soll. Ausgehend vom freigegebenen Aufbau lassen sich gemeinsame Vormaterialabhängigkeiten und realistische Alternativen gezielt prüfen. So wird Dual Sourcing zu einer konkret nutzbaren Beschaffungsoption, deren Wirkung und Grenzen nachvollziehbar sind.

Zum Marktupdate: die Lage im Überblick →

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