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Kapazitäten & Fertigungsregeln

Alle Grenzwerte entlang der Fertigungskette — vom Basismaterial bis zur Prüfung. Gedacht als Nachschlagewerk beim Layouten, nicht als Werbetext.

Lagenanzahl 2 – 40+
Min. Leiterbahn 75 µm
Microvia ≥ 0,10 mm
Fertigungsklasse IPC-A-600 Kl. 2 / 3

Kapazitäten-Matrix

[ Kernübersicht ]

Standard läuft ohne Rückfrage. Advanced ist machbar, beeinflusst aber Preis oder Durchlaufzeit. Auf Anfrage heißt: technisch möglich, aber projektabhängig — bitte kurz sprechen.

Parameter Standard Advanced Auf Anfrage
Lagenanzahl 2 – 16 18 – 40 > 40
Leiterbahn / Abstand 100 / 100 µm 75 / 75 µm —
Endkupfer außen 35 µm 70 – 105 µm > 105 µm
Endkupfer innen 17 µm 35 – 70 µm > 70 µm
Leiterplattendicke 0,8 – 2,4 mm 0,4 – 3,2 mm < 0,4 / > 3,2 mm
Mech. Bohrung Ø ≥ 0,20 mm ≥ 0,10 mm —
Microvia Ø ≥ 0,10 mm gestapelt / versetzt —
Aspect Ratio, starr 8 : 1 14 : 1 bei Ø 0,20 mm · 16 : 1 bei Ø 0,25 mm —
Aspect Ratio, Starrflex 10 : 1 12 : 1 —
Restring ≥ 125 µm ≥ 75 µm —
Lötstoppdamm 70 – 150 µm je Farbe — —
Impedanztoleranz ± 10 % — enger nach technischer Prüfung
Material FR-4 Tg 150 High-Tg, halogenfrei Polyimid, Keramik
Oberfläche ENIG, chem. Zinn Hartgold, OSP, HAL Kombinationen
Fertigungsklasse IPC-A-600 Kl. 2 Klasse 3 Kl. 3 mit Doku

Werte gelten für starre Standardaufbauten in FR-4; die Mindestwerte für Leiterbahn, Abstand und Restring für 18 und 35 µm Kupfer. Advanced-Werte sind verifizierte Minima und werden anhand Ihrer Daten bestätigt. Starrflex und Keramik haben eigene Grenzwerte — siehe Kapitel unten und Produktseiten.

01 Basismaterial FR-4, High-Tg, halogenfrei, Polyimid, Keramik — inklusive IPC-Spezifikationsblatt.

Die Materialwahl legt Temperaturbeständigkeit, Signalverhalten und Preis fest. FR-4 mit Tg 150 deckt den Großteil der Anwendungen ab; High-Tg ab Tg 170 wird bei mehrfachen Lötzyklen und hohen Lagenzahlen empfohlen.

Standard
FR-4, Tg 150 °C, IPC-4101/24
High-Tg
Tg 170–180 °C, für ≥ 8 Lagen empfohlen
Halogenfrei
nach IEC 61249-2-21
Sondermaterial
Polyimid, Keramik, PTFE auf Anfrage
Design-Hinweis Bei mehr als acht Lagen oder bleifreiem Löten mit mehreren Zyklen sollte High-Tg gewählt werden — die Mehrkosten sind gering gegenüber dem Delaminationsrisiko.
02 Stackups Standardaufbauten als Ausgangspunkt, kundenspezifisch nach Machbarkeitsprüfung.

Freigegebene Standardaufbauten sind lagerhaltig und verkürzen die Durchlaufzeit spürbar. Kundenspezifische Aufbauten sind möglich, brauchen aber eine Machbarkeitsprüfung vor der Bestellung.

Standard-Stackups
4, 6, 8, 10, 12, 16 Lagen
Symmetrie
symmetrischer Aufbau zwingend
Prepreg
1080, 2116, 7628
Kundenaufbau
nach Prüfung, +2 Arbeitstage
Design-Hinweis Ein asymmetrischer Aufbau führt fast immer zu Verzug. Wenn sich Asymmetrie nicht vermeiden lässt, bitte vorab abstimmen. Aktuell: die Prepreg-Typen 1080, 2116 und 7628 sind stark verknappt — siehe Marktupdate Elektronik-Glasgewebe.
03 Strukturen Leiterbahnbreite und Isolationsabstand je Endkupferstärke.

Die minimal fertigbare Struktur hängt direkt an der Endkupferstärke — je dicker das Kupfer, desto breiter müssen Leiterbahn und Abstand ausfallen. Die Werte gelten für Außenlagen.

18 µm
75 / 75 µm
35 µm
75 / 75 µm
70 µm
150 / 200 µm
105 µm
180 / 300 µm
Design-Hinweis Für eine gleichmäßige Kupferabscheidung sollte das Layout eine gleichmäßige Kupferverteilung aufweisen. Große Kupferflächen bitte aufrastern.
04 Signalintegrität Impedanzdefinition, Materialwahl, Hybridaufbauten, TDR-Messung.

Kontrollierte Impedanz erfordert eine vollständige Angabe im Datensatz: Lage, Struktur, Zielwert und Toleranz. Ohne Referenzlage lässt sich kein Wert berechnen.

Single-ended
50 Ω Standard
Differenziell
90 / 100 Ω
Toleranz
± 10 %, enger nach technischer Prüfung
Nachweis
TDR-Messung mit Coupon
Design-Hinweis Impedanzkontrollierte Lagen brauchen einen Testcoupon im Nutzen. Er kostet Fläche, ist aber der einzige Nachweis im Reklamationsfall.
05 Bohren & Metallisieren DK / NDK, Microvia, Aspect Ratio, Viapads, Einpresstoleranzen.

Das Verhältnis von Leiterplattendicke zu Bohrdurchmesser begrenzt die Metallisierbarkeit. Starre Aufbauten sind bis 14:1 bei 0,20-mm-Bohrung und 16:1 bei 0,25-mm-Bohrung verifiziert; Starrflex läuft mit 10:1 als Standard und 12:1 nach Sonderprüfung.

Mech. Bohrung
≥ 0,20 mm bevorzugt, 0,10 mm Minimum (± 0,05 mm)
Laserbohrung
≥ 0,10 mm
Aspect Ratio
8:1 bevorzugt, bis 14:1 (Ø 0,20 mm) / 16:1 (Ø 0,25 mm)
Einpresszone
Toleranz ± 0,05 mm
Design-Hinweis Pad-Ø = Enddurchmesser + 0,35 mm. Kleinere Pads sind möglich, reduzieren aber den Restring unter den Standardwert.
06 Plugging & Filling Tenting, Plugging, Filling — Wirkung auf Bestückbarkeit und Wärmeableitung.

Vias im Pad müssen gefüllt und überkupfert werden, sonst zieht die Lotpaste in die Bohrung. Tenting reicht bei Vias außerhalb der Lötfläche.

Tenting
einseitig oder beidseitig
Plugging
Lötstopplack, nicht leitend
Filling + Capping
Via-in-Pad, plan überkupfert
Wärmeableitung
gefüllte Thermalvias
Design-Hinweis Vias sollten nicht nur von einer Seite verschlossen werden — eingeschlossene Chemie führt zu Ausgasungen beim Löten.
07 Lacke & Tinten Lötstopplack nach IPC-SM-840, Farboptionen, Bestückungsdruck.

Der Lötstopplack schützt und definiert die Lötflächen. Der Damm zwischen zwei Pads bestimmt, wie fein bestückt werden kann.

Norm
IPC-SM-840 Klasse T
Farben
grün, schwarz, weiß, blau, rot
Damm
je Farbe: grün 70 µm · rot 100 µm · blau / schwarz 135 µm · weiß 150 µm
Bestückungsdruck
Schrifthöhe ≥ 0,8 mm
Design-Hinweis Bei ENIG und chemisch Zinn wird ein größerer Lötstoppdamm empfohlen — beide Verfahren greifen den Lack stärker an.
08 Lötoberflächen ENIG, chem. Zinn, HAL, OSP, Hartgold — Schichtdicke, Lagerfähigkeit, Eignung.

Die Oberfläche richtet sich nach Bauteilraster, Lötprozess und Lagerdauer. Für Fine-Pitch und BGA sind ebene Immersionsverfahren erste Wahl.

ENIG
Ni 3–5 µm / Au 0,025–0,075 µm · 12 Monate
Chem. Zinn
0,8–1,2 µm · 6 Monate
HAL bleifrei
1–40 µm · 12 Monate
Hartgold
Ni 3–6 µm / Au 0,8–1,2 µm · 12 Monate
Design-Hinweis HAL ist bei Rastermaßen unter 0,5 mm und bei HDI nicht geeignet — die unebene Topografie führt zu Brückenbildung.
09 Fräsen & Anfasen Kerben, Fräsen, Laserschneiden, Direktstecker anfasen, Kantenmetallisierung.

Die Außenkontur entsteht durch Fräsen oder Ritzen. Ritzen ist günstiger, setzt aber rechteckige Leiterplatten im Nutzen voraus.

Fräser Ø
0,60 – 2,40 mm Standard, 0,50 mm möglich
Maßtoleranz
± 0,1 mm gefräst
Ritzen
nur rechteckige Konturen
Fase
15 – 60° (± 5°), 30° / 45° bevorzugt
Design-Hinweis Innenausschnitte mit scharfen Ecken sind nicht fräsbar — es bleibt immer ein Radius in Höhe des Fräserradius stehen.
10 Liefernutzen Nutzengestaltung und Panelausnutzung — direkter Hebel auf den Stückpreis.

Die Ausnutzung des Fertigungspanels bestimmt den Stückpreis oft stärker als die Technologie selbst. Eine Anpassung der Außenmaße um wenige Millimeter kann den Preis spürbar senken.

Nutzenrand
8 – 12 mm
Reststeg
0,4 mm bei gefrästem Nutzen
Passermarken
3 je Nutzen
Max. Nutzenmaß
610 × 508 mm
Design-Hinweis Vor der finalen Festlegung der Außenmaße lohnt eine kurze Rückfrage — wir prüfen die Panelausnutzung und melden Optimierungspotenzial.
11 Tests E-Test, AOI, Mikroschliff, Impedanzmessung, Röntgen, Zuverlässigkeitsprüfung.

Jede Leiterplatte wird elektrisch geprüft. Optische Inspektion und Mikroschliff laufen prozessbegleitend, Zusatzprüfungen auf Anforderung.

Elektrischer Test
100 %, Flying Probe oder Adapter
AOI
alle Innen- und Außenlagen
Mikroschliff
je Fertigungslos
Zusatz
Röntgen, Lötbarkeit, Thermoschock
Design-Hinweis Für Erstmuster empfehlen wir einen Mikroschliff-Bericht als Teil der Bemusterung — er dokumentiert den Aufbau nachprüfbar.
12 Spezifikationen IPC-A-600 Klasse 2 als Standard, Klasse 3 auf Anfrage, UL, EN 45545-2.

Die Abnahmekriterien richten sich nach IPC-A-600. Klasse 3 gilt für sicherheitskritische Anwendungen und erfordert engere Toleranzen sowie zusätzliche Dokumentation.

Standard
IPC-A-600 Klasse 2
Erhöht
Klasse 3, mit Prüfdokumentation
UL
UL 94 V-0, Werkskennzeichnung
Bahn
EN 45545-2 mit halogenfreiem Material
Design-Hinweis Klasse 3 bitte bereits in der Anfrage angeben — sie beeinflusst Aufbau, Restringe und Prüfumfang, nicht nur die Abnahme.
13 Isolationsfolie Coverlay für flexible Bereiche, Durchschlagsfestigkeit, Designregeln.

In flexiblen Zonen ersetzt Coverlay den Lötstopplack. Es ist mechanisch belastbarer, aber weniger fein strukturierbar.

Material
Polyimid mit Kleber
Dicke
25 / 50 µm
Öffnungstoleranz
± 0,2 mm
Biegeradius
≥ 6 × Dicke, dynamisch ≥ 20 ×
Design-Hinweis Der Übergang zwischen starrem und flexiblem Bereich darf keine Durchkontaktierung enthalten — dort treten die höchsten Biegespannungen auf.

Grenzfall im Design?

Diese Seite deckt den Standard ab. Wenn Ihr Layout darüber hinausgeht, prüfen wir die Machbarkeit anhand Ihrer Daten — bevor Sie das Design festlegen.